Im Tanzquartier Wien (TQW) emotionalisierte gestern Abend eine ungewöhnliche Performance: „The Path Of Money“ von und mit Daniel Aschwanden und Peter Stamer schaffte einen vielschichtigen Erlebnis- und Erzählraum rund um den Weg eines einzelnen 10-Yuan-Geldscheines im Herzen Chinas. Die beiden begleiteten dieses „Geld des Volkes“ (“Renminbi“) beim Zahlungsprozess von Hand zu Hand sowie auf den Einsatz wartend in den Geldbörsen und dokumentierten die jeweiligen Besitzer des Geldscheines mit dem Medium Video, schufen so eine Vielzahl von zeitgenössischen Momentaufnahmen (siehe auch Materialausschnitte auf YouTube) abseits von glänzenden, inszenierten Fassaden. Über 40 kurze und auch längere Begegnungen ließen Daniel und Peter auf über 4000 km Wegstrecke teilhaben an den Werte- und Gedankenwelten des Alltages, schafften Begegnungen in der Megaagglomeration Chongquing – mit 32 Millionen Einwohnern offiziell die größte (und dennoch im Westen weitgehend unbekannte) Stadt der Welt – aber auch mit kleinen vergessenen Dörfern, in ihrem Spektrum sehr dichte Erlebnisse, wie sich die Besucher der Tanzquartier Performance überzeugen konnten.
Einbezogen in das Erleben in einem on stage-setting tauchten die akustischen und visuellen Bilder aus dem Nebel und wurden mit narrativen und spielerisch umgesetzten Szenen dichter, Filmsequenzen schafften die Brücke vom weinenden Mädchen voller Illusionen zum Selbstdarsteller mit Friseurambitionen und wandelten die anfangs neugierig-verwirrten Zuschauer zu begreifenden Mit-Protagonisten, welche neben dem Geist auch den Magen sättigten beim plötzlich ausgeteilten chinesischen Bühnenmahl.
Daniel erzählt uns nach der Performance von der Herausforderung, das ganze gesammelte Material greifbar zu machen, Material voller unspektakulärer, einfacher Eindrücke – und gerade dadurch authentisch schön.
Für uns lernen wir über den (künstlerischen) Umgang mit Informationsmasse:
- Mut haben zum experimentellen Zugang zu Informationen.
- Der Einsatz von unterschiedlichen Medien und Elementen wie Pappkartons, Bewegung, Licht, Video, Ton verdichtet Erinnerungen ungemein.
- Gerade eine skizzenhafte Annäherung schafft Einzigartigkeit.
- Die Informationen müssen nicht vollständig sein, Ausschnitte werden im Kopf des Betrachters zum für sich Ganzen zusammengesetzt.
Das Tanzquartier Wien fördert zeitgenössischen Tanz und Performance und bietet den spannendsten Rahmen in Österreich für neue Blickwinkel zum Dialog zwischen Künstlern und Zuschauern.
Die Performance „The Path Of Money“ bietet mit zwei weiteren Aufführungen (am heutigen 11.12.2009 sowie morgen – jeweils um 20:30 Uhr in der Halle G des Museumsquartiers) noch Gelegenheit zum Grenzgang zwischen Dokumentation und Emotion.