Verändertes Interaktions- und Konsumverhalten der “Generation Virtual”

Im vergangenen Jahr hat das internationale Marktforschungsinstitut Gartner eine Typologisierung der “Generation Virtual” veröffentlicht: sie wird im Wesentlichen auf Basis ihrer Technologienutzung und nicht (mehr) nach ihrer Demographie segmentiert.

Allein diese Betrachtung zeigt einen neuen Blickwinkel auf das veränderte Interaktions- und Konsumverhalten einer Generation, die mit dem Internet aufgewächst: Hochgradig vernetzt und ausgestattet mit persönlichen Publikationswerkzeugen wie Blogs oder als Rezensent einer Bewertungsplattform nehmen Konsumenten heute eine aktivere Rolle ein als noch vor ein paar Jahren.

Einzigartige Werte mit dem Kunden gemeinsam schaffen

Transparenz und Authentizität, auch von Marken, stehen im Vordergrund. Und das ist, was Marketing-Entscheidern so viel Bauchschmerzen bereitet: Kommunikations- und Werbebotschaften werden von Nutzern im Netz zuweilen gefiltert, verändert oder sogar entlarvt. Im Web 2.0 gilt es Lead-User einzubinden und damit nicht nur die Botschaft sondern auch gleich das ganze Produkt von ihm mitgestalten zu lassen.

So hat Lego, der dänische Kunststoffproduzent schon vor Jahren, eine virtuelle Werkstatt namens “Factory” eröffnet. Darin können Kunden eigene Kreationen aus Lego-Steinen virtuell erstellen, veröffentlichen oder gleich bestellen. Das Unternehmen hat hier seinen eigenen Innovationsraum für echte Fans geschaffen und ist äußerst zufrieden mit diesem Erfolg.

Auch Starbucks, Erfinder des personaliserten Kaffees, macht sich die Kreativität seiner Kunden zunutze und lässt sie auf einer eigenen Plattform neue Ideen für Starbucks entwickeln. Aktuell finden sich hier rund 50.000 Diskussionsbeiträge zu möglichen Produkten, Services und natürlich Wünschen zu Preisnachlässen, Tendenz steigend.

Marken gehen Beziehungen ein

Einige Markenartikler habe den Wert dialogorientierter Kommunikation erkannt und versuchen ihre Kunden dort zu erreichen, wo sie sind: online. Victoria’s Secret setzt mit seiner Marke PINK schon lange auf neue Kommunikationskanäle. Mit über 210.000 Freunden und knapp 10.000 Kommentaren auf ihrer MySpace-Präsenz VSPink ist das Unternehmen ein Vorreiter.

Dass das nicht nur bei jungen Zielgruppen funktioniert zeit Ferrero. Mit seinem Produkt Rocher hat Ferrero den Schritt in Facebook gewagt und freut sich aktuell über knapp 1,1 Million Fans, die hier mit der Marke erreicht werden. Auf einer Hamburger Konferenz im Frühjahr 2008 gab sich Guillaume du Gardier, New Media-Manager von Ferrero Frankreich, überzeugt: “das Brand-Management muss mit dem Kunden verlinkt werden.”

Auch Langnese konnte mit seiner StudiVZ-Kampagne “Nogger Choc Vermisser” bei über 16.000 Nutzern punkten. Sie haben mit dazu beigetragen, dass das Produkt wieder aufgelegt wurde.

Mehr Beispiele Social Network Marketing.

Partizipation verbessert den Page Rank

Je mehr Links auf eine Seite verweisen (und umgekehrt), desto höher ist die Popularität der Seite. Aufgrund dieser Logik hat Google den Page Rank-Algorithmus entwickelt und eines der erfolgreichsten Geschäftsmodelle der Welt. Am Anfang steht der Link und damit die Grundlage dessen, was man als partizipatives Netz bezeichnet: Nutzer produzieren, gestalten und verlinken. Konsumenten bekommen so endgültig eine wesentliche Stimme in der Kommunikation. Sie können selbständig Einfluss auf die Popularität einer Seite nehmen. Zusammen genommen mit Bewertungsmöglichkeiten, zum Beispiel bei Amazon, erhalten Konsumenten mächtige Werkzeuge, die den Marketing-Mix nachhaltig verändern werden.

Das Web 2.0 ist kein Hype, sondern vielmehr eine logische Entwicklung der Informationsgesellschaft.


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